Mörderische Postkarten in der Dose

Seit 2013 schreibt die Augsburger Journalistin Angelika Lonnemann ultra-kurze Kriminalgeschichten, die in Augsburg spielen und eine abgeschlossene Handlung auf dem Raum von rund 1000 Zeichen versammeln. 2015 erschien eine der Geschichten in der Anthologie des Schwäbischen Literaturpreises, 2016 hat Lonnemann mit diesem Projekt den 3. Preis des Augsburger Medienpreises in der Kategorie „Amüsiert“ gewonnen. Bis heute wurden 33 Krimis veröffentlicht. Nun ist erstmals eine Edition von 15 Geschichten in einer Blechdose erschienen.

Die Schauplätze der Handlung sind über die ganze Stadt verteilt. Tote finden sich zum Beispiel beim Stoinernen Mo, beim Parkhäusl, im Goldenen Saal oder am Hochablass. Entsprechend wirbt Lonnemann auf der Blechdose: „Der Augsburger kann hier das Verbrechen nebenan entdecken, der Reisende bekommt Tipps für außergewöhnliche Ecken der Stadt, in denen die Idylle nur vordergründig ist“.

„Für mich sind diese extrem kurzen Geschichten aktuell genau das richtige Format – neben Beruf, Familie und Ehrenamt bleibt leider nicht die Zeit, ein ganzes Buch zu schreiben. Aber immer mal wieder ein paar Stunden nehme ich mir Zeit für meine kleinen Krimis“, so die Autorin. Die Ideen dazu kommen ihr beim Fußweg zur Arbeit, beim Zeitunglesen oder einfach zwischendurch. „Es kann schon unheimlich inspirierend sein, wenn ich irgendwo warte, mich zu fragen ‚wer könnte wem hier was angetan haben'“. Zur Bebilderung der Geschichten nutzt Lonnemann ihre eigenen Fotos, die sie teilweise auch extra für den Krimi schießt.

Die Geschichte „Feuer den Paletten“ etwa wurde ausgelöst durch eine Zeitungsmeldung. Irgendwo in Deutschland hatte eine alte Frau in einem Supermarkt im Sommer Lebkuchen angezündet. „Da habe ich die Handlung nach Augsburg verlegt und mir ausgedacht, dass die Frau früher Terroristin war und immer noch etwas gegen die Auswüchse des Kapitalismus hat. Und so recherchiere ich dann in der Geschichte der Stadt – was ist hier während der RAF-Terror-Jahre passiert. Und all das fließt dann in die Geschichten ein“, berichtet Angelika Lonnemann, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Büro der Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr arbeitet. In einigen Geschichten sind auch literarischen Anspielungen versteckt, so sind etwa die Namen der Figuren im Krimi „Formels Ende“, der am Peutingergymnasium spielt, Anspielungen an die Klassenkameraden Brechts, der ja selbst Schüler am Peutinger war. „Besonders viel Spaß macht es mir, mit Begriffen zu arbeiten, die eigentlich nur die Insider kennen. So etwa die Jägersprache mit Begriffen wie schusshitzig oder Brunftrute in der Geschichte „Halali, die Sau ist tot! oder Mountainbikerbegriffe wie bunnyhopping oder freeriden – da lösen die Worte schon Assoziationen aus, die für die Geschichte nützlich sein können.“

Auf der homepage von Angelika Lonnemann www.postkartenkrimi.de sind einige der Geschichten in Gänze zu lesen. Die schön gestaltete Blechdose mit 15 Postkarten ist aktuell in der „Buchhandlung am Obstmarkt“ und im „Bücher-Max“ in Neusäß zum Preis von 18 Euro erhältlich. 

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